Breitbandausbau im Landkreis Harburg

Kupfer war gestern, die Zukunft gehört der Glasfaser. Was tut der Landkreis Harburg für den Breitbandausbau?

 

Ist Deutschland dabei eine wichtige Technologie zu verschlafen? Nur ca. 1,3 % der deutschen Haushalte sind derzeit mit einer Glasfaserverbindung erschlossen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit an 64. Stelle.

 

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Kupfer war gestern, die Zukunft gehört der Glasfaser. Was tut der Landkreis Harburg für den Breitbandausbau?

Ist Deutschland dabei eine wichtige Technologie zu verschlafen? Nur ca. 1,3 % der deutschen Haushalte sind derzeit mit einer Glasfaserverbindung erschlossen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit an 64. Stelle. Anstatt gegenzusteuern und Glasfaserleitungen in die Haushalte zu legen, wird nun zunächst versucht, die vorhandene Kupferleitungsinfrastruktur mittels VDSL2-Vectoring aufzubessern bzw. Funkverbindungen (LTE) für die Unterverteilung einzusetzen. Funkverbindungen stoßen allerdings schnell an ihre physikalischen Grenzen, weil die nutzbaren Funk-Frequenzbereiche letztlich begrenzt sind. Dieses Verfahren ist also auch mit neuester Technik nur eingeschränkt ausbaufähig.

Die alten Kupferleitungen im sogenannten VDSL2-Vectoring-Verfahren flott zu machen kann bis zu 100 Mbit/s bringen. Das Verfahren ist jedoch störanfällig und läuft beim Upload, also beim versenden von Daten, deutlich langsamer als beim Datenempfang. Die Nachfolgetechnologie „G.fast“ soll es richten, ist aber noch störanfälliger als VDSL2-Vectoring und funktioniert nur über kurze Distanzen von bis zu 250 m.

Glasfaserverbindungen können mindestens 1.000 Mbit/s störungsfrei über große Distanzen transportieren und sind außerdem abhörsicherer als Kupferleitungen. Natürlich liegen die Kosten für Glasfaserleitungen höher, als für Kupferleitungen. Es gibt allerdings bereits eine Glasfaserleitungsinfrastruktur, die sich im Besitz unterschiedlicher Unternehmen (z.B. Gasversorger) befindet. Häufig sind Kapazitäten frei, die angemietet werden könnten. Auf diese Weise ließen sich Synergien generieren, die Breitbandverbindungen via Glasfaser günstiger machen könnten.

 

Wie sieht in Sachen Breitbandausbau derzeit im Landkreis Harburg aus?

Inzwischen sind ca. 81% der Haushalte mit einer Leistung von 30 Mbit/s angeschlossen. Bei den restlichen 19 % ist die Erschließung wegen der starken Streuung der Wohngebiete und der damit verbundenen relativ hohen Erschließungskosten unwirtschaftlich für private Investoren, wie z.B. die Deutsche Telekom. Um diese Lücke zu schließen soll der Steuerzahler zur Ader gelassen werden.   

Bund und Länder haben im letzten Jahr Förderprogramme für einen bundesweiten Breitbandausbau beschlossen. Das Geld fließt allerdings nur, wenn die Kommunen (Städte, Gemeinden und Landkreise) in etwa die gleiche Summe beisteuern.

Um die Breitbandabdeckung von derzeit 81% auf ca. 95% zu erhöhen müsste der Landkreis und die Gemeinden ca. 42 Mio. € investieren. Die Hälfte davon, also ca. 20 Mio. € wurde beim Bund und dem Land Niedersachsen als Fördermittel beantragt. Sollten die Förderung genehmigt werden, würden sich der Landkreis und die Gemeinden die verbleibenden Restinvestitionssumme teilen.

Nach Umsetzung des Erschließungsprojektes blieben noch 5% der Haushalte unterhalb des aktuellen Standards von 30 Mbit/s. Diese wären wegen der starken geografischen Streuung der Gebäude nur unter sehr hohem Kostenaufwand zu erschließen und stehen insofern derzeit nicht in der Planung. Technisch gesehen soll die Leistungssteigerung durch den sogenannten Kabelverzweigerüberbau erfolgen. Dabei werden die Glasfaserleitungen nicht direkt in die Haushalte gelegt, sondern nur die vorhandenen Verteilerschränke mit Glasfaserleitungen verbunden. Vom Verteilerschrank zu den Haushalten sollen die Kupferleitungen bestehen bleiben und mit den zuvor beschriebenen VDSL-2-Vectoring-Verfahren beschleunigt werden.

Die Stadt Buchholz und die Samtgemeinde Elbmarsch verfolgen eigene Erschließungsvorhaben mit Glasfasertechnologie, die bis in die Haushalte gelegt werden soll und haben sich nicht an dem genannten Förderprogramm beteiligt.

Die FREIEN WÄHLER im Landkreis Harburg fordern deshalb eine Glasfaserleitungsinfrastruktur- Analyse, um alle möglichen Optionen für ein flexibles Glasfaser-Versorgungssystem zu entwickeln, das zu einem optimalen Preisleistungsverhältnis führen wird.